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Was sind Freiräume?

Dies ist der Versuch die folgende Diskussion um Freiräume anderen zugänglich zu machen, um sie als Ansatz für weitere Diskussionen nutzen zu können.

Eine erste Schwierigkeit waren die unterschiedlichen Auffassungen, was Frei- oder Schutzräume sind.
Allgemein verstehen wir darunter Räume, in denen beispielsweise sexistisches und rassistisches Verhalten keinen Platz bekommen soll. Das heißt also, Personen werden mit ihrem unerwünschten Verhalten konfrontiert und werden gegebenenfalls rausgeschmissen.

Dies kann als ein Kriterium von Freiraum verstanden werden. Wohingegen ein Schutzraum von vornherein einen Ausschluss bestimmter Leute/Gruppen bedeutet. Ein Beispiel hierfür wäre ein Frauencafé, in dem Männer keinen Zutritt haben. Schwierig an dieser begrifflichen Abgrenzung ist, dass ein Ausschluss auch einen Freiraum ausmachen kann, bzw. die ihn nutzenden Personen den Schutzraum als Freiraum wahrnehmen können.

Eine Diskussion sollte folgende Punkte mit einschließen:

* Die Frage nach welchen Kriterien Freiräume gestaltet werden können, von welchen Verhältnissen sie frei sein sollen und wie fest gelegte Kriterien durchgesetzt werden können.
* Weshalb Freiräume nicht thematisiert werden, weshalb also ein Wissen (oder Nichtwissen) über die Existenz von Freiräumen schon zu einem Ausschlusskriterium wird.
* Innerhalb bereits bestehender Räume bleibt es wichtig sich permanent mit den Freiraumkriterien auseinander zu setzen. Allein durch die stetige Fluktuation von Leuten bleibt es wichtig sich immer wieder mit den Grundsätzen zu beschäftigen und diese nicht als Banalität abzutun.

Diese Diskussionen werden aber oft nicht geführt, da das Thema gerade nicht in die Tagesordnung passt, es als nicht so wichtig erachtet wird oder es ein ums andere Mal verschoben wird.

Wenn sich doch mal damit auseinander gesetzt wird, entstehen weitere Fragen.

Warum werden überhaupt Freiräume geschaffen? So fehlt existierenden Freiräumen oftmals die politische Außenwirkung und sie werden schnell zu gruppeninternen Kuschelräumen und Nischen. Aus denen wird zwar eine Identität gezogen, es fehlt jedoch an der Thematisierung, weshalb eine solche Nische notwendig sein kann. Dabei wäre eine Einbettung in gesellschaftliche Verhältnisse notwendig, die eine Ausgrenzung durch die Gesellschaft sichtbar macht.

In Freiräumen die nicht als Kuschelräume, sondern als offen angelegt sind, beispielsweise ein Café, kommt es zu der Frage, wie ein kontinuierlicher Thematisierungsprozess bezüglich einiger Regeln aussehen muss, um möglichst viele Leute mit einzubinden. Denn es werden Leute in diesem Raum sein, die das vorhandene Konzept nicht kennen.

Dabei entsteht das Problem, dass feststehende Regeln einen weiterführenden Diskussionsprozess unterbinden können, diese aber zu einem gewissen Grad notwendig für einen kontinuierlichen Schutz sind.

Auf der anderen Seite bleibt die Frage, wie einen Prozess in Gang bringen, der eben möglichst viele miteinbezieht, die den Raum nur temporär nutzen.

Ansonsten entsteht die Situation, dass es einige DienstleisterInnen/ RaumgestalterInnen und viele KonsumentInnen gibt.
Wie also dem aus dem Weg gehen? Z.B. durch politische Veranstaltungen, stetige Thematisierung verschiedenster Konflikte, ein Selbstverständnis das nach außen getragen wird und durch entsprechendes Verhalten der GestalterInnen. Es muss eine ständige Weiterentwicklung forciert werden, eine Außenwirkung sollte entstehen. Durch diese sollte es auch möglich sein, dass Leute, die den Raum nicht gestalten, ihn trotzdem als schützenden Raum wahrnehmen können.

Wenn es nicht möglich ist einen geschützten Raum zu öffnen, dann besteht die Gefahr, dass dieser sich zu einem geschlossenen Raum entwickelt. Wenn er aber offen sein soll für alle, wie werden dann die eigenen Ansprüche nach außen getragen oder im Raum mit eingebracht?

Wird der Blick auf verschiedene Räume gerichtet, die einen bestimmten Anspruch haben/hatten, so scheint es oftmals schief gegangen zu sein. Die eigenen Ansprüche haben keinen Bestand mehr, oder die Offenheit des Raumes war nicht haltbar. Stetige Diskussionspunkte werden bleiben. So stellen sich immer wieder die Fragen:

Welche Kriterien machen Sinn?
* Wie sind/wären sie umzusetzen ?
* Sind geschützte Räume überhaupt sinnvoll, haltbar?
* Für wen sind sie sinnvoll?
* Für wen ist es möglich sie zu gestalten?
* Was wird damit gemacht oder erreicht ?

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Veröffentlicht in Ältere Texte, Freiraum

Zugang zu Hochschulen

Dezember 14, 2007
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Hochschulen bedeuten grundsätzlich auch einen Zugang zur Gesellschaft. Genau wie Bildung im Allgemeinen ermöglicht die Partizipation am Bildungssystem die Entscheidung, sich einen Platz in der Gesellschaft zu suchen oder die gesellschaftlichen Verhältnisse zu bekämpfen. Auf jeden Fall wird es einfacher, gesellschaftliche Mechanismen zu durchschauen. Menschen, die vom Zugang zu als allgemeingültig anerkanntem Wissen ausgeschlossen werden, werden die Folgen spüren. Sich über eine Neuentwicklung von Bildung Gedanken zu machen, ist Privileg der Partizipierenden. Je länger und tiefgehender die Möglichkeit besteht, sich über Bildung mit Gesellschaft auseinander zu setzen, umso größer werden die individuellen Entscheidungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt durch die dabei angesammelten Qualifikationen.

Es ist unmöglich am deutschen Bildungssystem teilzuhaben, wenn nicht einmal die deutsche Grenze überschritten werden darf. Die Vorteile eines deutschen Hochschulbesuchs, zum Beispiel für die eigene Karriereplanung, ist somit weit gehend deutschen StaatsbürgerInnen vorbehalten. Ein ungeklärter Aufenthaltsstatus führt nicht an die Universität. Da eine Zugangsvoraussetzung das Beherrschen der deutschen Sprache ist, wird auch hier selektiert. Es muss bereits die deutsche Sprache beherrscht werden, kostenpflichtige Deutschkurse müssen dennoch besucht werden, Seminare und Vorlesungen werden nur auf Deutsch gehalten.

Innerhalb des Bildungssystems sind vorerst alle ausgeschlossen, die nicht ihr Abitur gemacht haben oder dieses schlecht absolviert haben. In einem dreigliedrigen Schulsystem kann das bedeuten, dass in der 4. oder 6. Klasse entschieden wird, ob eine Person studieren darf oder nicht. Die Ausschlusskriterien der Hochschule funktionieren aber auch subtiler. Die formelle Möglichkeit zu haben, bedeutet noch nicht tatsächlich studieren zu können. Wer sich die Immatrikulations- oder Semesterticketgebühren nicht leisten kann, wird nicht an der Hochschule landen.

Sind Studierende nicht in ihrer Stadt an die Hochschule gekommen und bewerben sich über die ZVS (für viele eine gute Chance, die jetzt jedoch auch abgeschafft werden soll), müssen sie in der Stadt studieren, in welcher sie angenommen wurden. Liegt für diese Personen eine Ortsbindung vor, geht das nicht. Haben sich zum Beispiel Eltern eine Infrastruktur aufgebaut, mit welcher es möglich ist, neben Erziehungsverpflichtungen auch arbeiten oder studieren zu gehen, können sie nicht einfach die Stadt wechseln. Wenn das Kind Verwandte und Kindergarten in Hamburg hat, wird es nicht so einfach sein, nach Tübingen umzuziehen und die Infrastruktur mitzunehmen. Dasselbe gilt für Menschen, die nebenher arbeiten müssen und in der neuen Stadt nicht gleich eine neue Arbeit finden.

Als sogenannter behinderter Mensch wird es ebenfalls schwer, sich einen Hochschulplatz zu ergattern. Durch Ausgrenzung werden die Betroffenen bereits so früh aus dem Bildungszugang ausgeschlossen, dass eine Hochschulbewerbung überflüssig ist. Haben dennoch einige sich durch diese Hürden gekämpft, müssen sie sich eine Universität suchen, die wenigstens annähernd genug Enthinderungsmaßnahmen vorgenommen hat. Die Auswahl hat sich an der Stelle entweder erübrigt oder ist sehr klein.
Muss eine Person einen Bachelor-Studiengang annehmen, ist es in den meisten Fällen nahezu unmöglich nebenbei zu arbeiten. StudentInnen, die darauf angewiesen sind, werden demnach keine StudentInnen werden oder bleiben. Das selbe Problem haben StudentInnen, die viele Praktika absolvieren müssen.

Studiengebühren stehen in einer langen Kette von Ausschlusskriterien recht weit hinten. Die meisten Menschen kommen nicht an den Punkt sich zu fragen, ob sie sich diese leisten können, sie dürfen ohnehin nicht studieren. Viele von denen, die es an die Hochschule geschafft haben, können sich dann auch noch Studiengebühren leisten, die Selektion hat bereits viel früher funktioniert.

Sich gegen Studiengebühren auszusprechen ist demnach wichtig und richtig, doch bei weitem nicht genug, wenn die Hochschule zugänglicher werden soll. Wenn Menschen jedoch eine Chance haben sollen, sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinander zusetzen, brauchen sie die ökonomischen Bedingungen und Zugang zu momentanen gesellschaftlichen Grundlagen, nicht zuletzt also Wissen. Denn zu wissen, was derzeit als Wissen gehandelt wird, eröffnet Entscheidungsmöglichkeiten. Dieser Anspruch an Hochschulen ist jedoch schwer zu finden. Die meisten StudentInnen versuchen ihre Karrierechancen zu verbessern und sich den Weg dorthin so gemütlich wie möglich zu machen. Deswegen stört es sie nicht zum Beispiel 150 Euro für ein Semesterticket zu bezahlen, ob es nun alle können oder nicht. Aus diesem Grund interessiert es sie auch nicht, dass sie nahezu die einzige Statusgruppe mit derartigen Privilegien sind.

Wenn der Anspruch einer offenen Universität besteht, müssen wir gesamtgesellschaftliche Veränderungen erzwingen, von wo auch immer. Fangen wir doch bei der Uni an. Die Universität ist kein herrschaftsfreier Raum, aber noch in mancher Hinsicht ein Freiraum. Bauen wir ihn aus und nutzen ihn!


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